Es geht weiter

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Ich höre Stimmen

Jetzt habe ich ein paar Tage frei und habe gleich zwei Projekte in Angriff genommen, die mich seit Wochen nicht loslassen. Das eine wird „die drei Männer im Feuerofen“ darstellen. (der Film dazu folgt Ende Juni, versprochen, liebe J.) null
Das zweite hat den König Belšazar zum Thema (das ist der mit der flammenden Schrift, Film kommt ebenfalls)

Der König ist ein Recycling Bild, die Skizze hatte ich schon im letzten Jahr begonnen, als Bildnis eines ganz anderen biblischen Königs. Aber irgendwann war ich mit dem David-Zyklus ganz und gar fertig und dieses letzte Bild habe ich einfach in die Ecke gestellt mit dem Vorsatz, die Leinwand irgendwann zu überpinseln. Seit Wochen schreit er mich nun immer wenn ich an ihm vorbeigehe an: „ich bin Belšazar, los, mach mich fertig“. Na klar Euer Majestät, sobald ich Urlaub habe seid Ihr dran.
Von meinem Modelliertisch aus piepst auch so ein Stimmchen: „ich bin dran, ich brauche endlich Füße“
Ich beginne zu verstehen, weshalb man in Filmen über alte Meister immer sieht, wie sie unfertige Bilder mit Leintüchern überhängen. Ich hatte bisher angenommen, dies sei zum Schutz vor Staub, jetzt weiß ich, dass es dem Schutz vor innere Lärmbelästigung dient.

Wilde Träume

Ich habe seit Monaten nicht gemalt. Na gut, Eine Landschaft in Öl im Rahmen eines Workshops bei dem ich Leuten gezeigt habe, wie man schnell und schmerzlos Landschaften in Öl produzieren kann. Das zählt nicht. Ansonsten habe ich jede freie Sekunde damit verbracht, einer Besessenen gleich zu modellieren, um endlich zu begreifen, wie der menschliche Körper sich zusammen setzt (und das Wort begreifen ist hier durchaus wörtlich zu verstehen).
Jetzt war ich einen Tag krank und habe zwei Traumlandschaften fast fertig gemalt, im Bett. Mal wieder auf einem Stück Papier herum zu pinseln um selber etwas darstellen zu wollen, nicht nur um Kindern zu zeigen, was passiert, wenn man einen Pinsel so oder so hält hat Spaß gemacht und war entspannend.
Aber wie dass so bei mir ist habe ich gleich geplant diese Abklatschtechnik beim nächsten Kinderaktionstag mit den Kleinen auszuprobieren und diese coolen Zeichenfedern, die ich gerade bei Boesner aufgetrieben habe auf jeden Fall mit auf die Jugendfreizeit zu schleppen.
Es entsteht bei mir keine Kunst ohne pädagogischen Hintergedanken. Zu erleben, was andere aus meinen Ideen machen ist der halbe Spaß für mich. Ich habe mal einen Zeichenlehrer stöhnen hören, dass ihn das Unterricht geben von seiner eigentlichen, wahren Kunst abhielte. Ich glaube mich treibt erst das Wissen an, dass andere nachfragen werden: „wie geht das?“ und dass ich ihnen diese Frage beantworten können möchte.
Mag sein, dass ich mit dieser Einstellung immer eine mittelmäßige Künstlerin bleibe, aber ich bin eine herausragende Pädagogin.

Männerträume

Ich lerne im Moment fleißig die Benutzung des Macs. Einmal im Monat reise ich ein Wochenende lang nach Bochum um mehr über Photoshop, Illustrator und Indesign zu erfahren. Im nächsten Jahr wird darauf aufbauend dann Zeichenunterricht erfolgen, auf den freue eich mich wirklich.
Also nicht, dass ich DTP nicht spannend fände, zum Erstellen des Gemeindeblättchens von Plakaten und Flyern hilft mir diese Schulung auch wirklich weiter, aber die Übungen die wir machen…Wie soll ich es sagen? Frau merkt, dass der Dozent männlich ist und das männliche Publikum bedient. Dabei sitzen im Kurs fast so viele Frauen wie Männer. Zunächst haben wir Namenszüge von Brauerein nachgebaut, Dann comicartige Bilder von Cowboys und Pferden. Und was machen wir jetzt, da wir endlich vom langweiligen Illustrator zum spannenden Photoshop vorgedrungen sind?:„Werbung für Männerparfüms nachbauen und Autos zum Mond fliegen lassen“.

Kopie oder Variation zum Thema?

Nachts um 11:00 Uhr ins Kino zu gehen war nicht meine Idee, aber anscheinend ist es uncool, zu einer Tageszeit auszugehen, zu der ich noch in der Lage bin eine sinnvolle Unterhaltung zu führen. Und so wurde ich mitten in der Nacht mit einer Theorie über Kunst konfrontiert, die zu überdenken ich erst heute Morgen in der Lage bin.
Kunst ist immer nur das Original, die Kopie ist dann nur noch Kunsthandwerk“.
So weit so gut, dem vermag ich zu folgen, aber dann ging es weiter:
Elfenfiguren sind keine Kunst, weil ja schon mal jemand eine Elfenfigur modelliert hat, alle weiteren waren dann nur noch mehr oder weniger abweichende Kopien“
Der Aussage, dass Elfenfiguren keine Kunst seien kann ich mich zumindest für meine Mädels glatt anschließen, allerdings aus ganz anderen Gründen, aber wie sieht es mit der Definition einer Kopie aus?
Was ist mit Motiven, die im Laufe der Kunstgeschichte immer wieder neu interpretiert worden sind? War nur die allererste Madonna mit Kind ein Kunstwerk, alle weiteren nur eine Kopie?
An diesem Punkt trifft sich die Kopie Überlegung wieder mit meiner ganz persönlichen Kunstdefinition, die keinerlei Anspruch auf allgemeine Richtigkeit erhebt. Für mich setzt das Erschaffen von Kunst den Willen zur Aussage voraus. Wenn ich Elfen knete dann sind das Etüden zum menschlichen Körper, an die ich der Schönheit halber noch Flügel bappe.
Ich mache also nach, was andere, die mir voraus gegangen sind vorgeknetet haben, ohne eigene Inhalte zu haben.
Das mag bei so mancher Madonna mit Kind ebenso gewesen sein. Andererseits dürfte es unzählige Madonnen Darstellungen auf Erden geben, bei denen der Künstler sich ganz viel gedacht hat, seine spirituellen Vorstellungen einbrachte. Und damit sind sie in meinen Augen keine bloßen Variationen zum Thema mehr, sondern eigenständige Werke.
Und um abermals auf mich zurück zu kommen, als ich „die Hexe von Endor“ gemalt habe gab es schon zig Darstellungen dieser Szene aus dem 1. Samuel 28, nullaber ich habe diese Szene nicht nur für mich neu entdeckt, sondern meine ganz eigene Deutung und Aussage in dieses Gemälde gegeben. Damit wird es nach meiner Definition zu einem Kunstwerk und bisher hatte ich es auch glatt für ein Original gehalten…
Ach ja, falls Ihr die Geschichte wissen möchtet, aber zu faul zum Lesen seid, wir haben den Film zur Bibel gedreht:

Handarbeit

Das sind bisher die besten Hände, die ich so hinkriege, wenn ich bedenke, dass so ein Händchen genau auf die Kuppe meines Zeigefingers passt sollte ich vielleicht endlich mal zufrieden sein…sollte ich.null

Staunen

Die Aktion heute Morgen im Kindergarten war spannend, einen Farbkreis habe ich mit den Mäusen aber nicht hinbekommen. Allerdings hatte ich laut Gruppenleitung vor allem Rabauken in der Gruppe, ich fand es nicht so dramatisch, aber ich kann nächste Woche noch einen neuen Anlauf nehmen. Mal sehen, wie brave Kindergarten Kinder so malen.
Begeistert hat mich aber dennoch das Staunen der Kinder über das Mischverhalten von Farben. Ich finde es wichtig auch schon für die Kleinen Farben zu kaufen, die ausreichend Pigmente enthalten und beim Mischen wirklich schöne Ergebnisse bringen.
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Den Kindern zu erklären, dass aus Rot und Blau Lila wird, ist bei weitem nicht so eindrucksvoll wie es ihnen vorzuführen. Ganz unschön ist es aber, wenn man vorführen will, wie diese Mischung passiert aber der Hersteller der Farben leider verabsäumt hat, auf die Flasche zu schreiben, dass es sich nicht um blau sondern blau/grün handelt und beim Mischen nur grauer Matsch entsteht.
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Stoffmarkt

Immer wenn ich denke, ich wüsste, welche Farben ich mag und welche nicht zu meiner persönlichen Palette gehören, besonders wenn ich das mit Nachdruck irgendwem gegenüber erklärt habe, lerne ich mich selber neu kennen.
Während ich mich bei meinen Blößen bedeckenden Textilien bisher an meine selbst auferlegten Farbcodices gehalten habe, flogen beim Kollagen kleben und Stoffschnipsel zusammennähen schon vor ein paar Jahren die bunten Fetzen.
Grün mag ich eigentlich gar nicht, und doch hielt es als erstes Einzug in mein Farbrepertoire, dann blau, dann rot und orange.
Ich bin und bleibe ein Farbjunkie. Ein Gang über den Stoffmarkt muss daher ab und zu sein. Eigentlich wollten wir, eine Presbyterin und ich nur Stoffe für die frisch renovierte Disco erwerben. Dann ist die nächste Bazaraktion ja auch nicht mehr weit, schließlich müssen wir dieses Jahr schon im Juni zum Gospelchor-Festival einen Stand bestücken. Also haben wir bei den günstigen Stoffen zugeschlagen für Taschen und ähnliches. Und wenn wir schon mal bei den günstigen Resten wühlen, liegt nichts näher als auch ein bisschen was zum Bekleiden meiner Selbst und zum Schnipsel zusammen nähen zu erwerben.
Wenn ich mir meine Beute betrachte finde ich alte Bekannte wieder, mit grün, besonders in Richtung Kaki habe ich mich ja schon länger angefreundet.

Aber anscheinend braucht der Farbjunkie jetzt mal was Härteres: Wie ist nur dieser orange Stoff in meine Sammlung geraten, und wie kann es sein, dass ich den schön finde?
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Wegbegleiter

Es gibt Klassiker in meinem Repertoire, Dunkelrot und alles was die Erde so her gibt sind die Farben, zu denen ich immer wieder zurück kehren kann.
Andererseits habe ich meine spätpubertäre Liebe zur Farbe Lila, da bin ich mir recht sicher, überwunden. Als ich Lila noch liebte, trat eine Frau namens Barbara in mein Leben und da ich Barbara nicht ausstehen konnte, sie aber sogar ihr Zimmer lila angestrichen hatte, musste ich mich von dieser Farbe, die sich anscheinend jedem an den Hals wirft, besonders gerne in der Form von Tüchern, trennen.
Eine Zeitlang blieb mir nur das neutrale schwarz, dem sich dann irgendwann das bis heute anhängliche Dunkelrot hinzugesellte. Die Brauntöne hielten erst nach meinem 30. Geburtstag Einzug, aber sie sind offensichtlich gekommen um zu bleiben.
Außerdem mag ich es Ton in Ton. Wenn schon blau oder grün oder gar orange, dann mögen sie bitte unter ihres gleichen bleiben.
Am längsten habe ich bei Gelb gefackelt, und das ist nach wie vor eher selten in meiner Welt. Das muss an den gelben Tapeten liegen, in denen ich als Kind gelebt habe.
Und dabei hatte ich es noch gut getroffen und mir vor meiner Geburt eine Mutter mit dezentem Geschmack erwählt. In gelb und hellblau groß geworden zu sein ist für ein Kind der frühen 70ger ein vergleichsweise harmloses Schicksal.
Auf die Idee die Wände einfach ungemustert weiß zu belassen sind erst Eltern späterer Generationen gekommen. Aber inzwischen hat sich das ja auch schon wieder geändert. Ich wage nicht darüber zu spekulieren, was geschwämmte Wände (aber das ist ja auch schon wieder passe`) oder Rosa und blaue Blümchen auf kariertem Grund in zukünftigen Künstlern auslösen werden…

Die Wahrheit über die Kunst

Als ich meine Schwiegereltern fragte, was für sie Kunst sei, hatte ich etwas Spannendes zum Thema Musik erwartet, schließlich sind beide Vollblut Musiker. Stattdessen antworteten sie mit folgendem Zitat von Karl Valentin:
„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“
Wie wahr, wie wahr